Beziehungskrise - der Weg hinein und wieder hinaus

Beziehungskrise - der Weg hinein und wieder hinaus

Krisen sind bedeutsame Momente im Leben: Situationen, in denen eine Person gefordert ist, existentielle Probleme zu überwinden, sich neu zu orientieren, das Leben in die Hand zu nehmen und Veränderungen anzustreben.

An Beziehungskrisen sind mindestens zwei Personen beteiligt, was diese wesentlich komplexer gestaltet. Es ist nicht die Frage, ob es in einer Beziehung zu einer Krise kommen wird, sondern nur wann - in jeder Beziehung, wenn sie nur lange genug dauert, stellt sich irgendwann eine Krise ein. Diese sollte jedoch als Chance gesehen werden - als Chance, sich persönlichen Problemen zu stellen und die Beziehung in einem neuen Licht zu betrachten. Meistens stellt einen eine solche Krise vor die Entscheidung, an der Beziehung zu arbeiten oder diese scheitern zu lassen.

Dabei gilt, dass sowohl Scheitern als auch Erfolg mitgenommen werden - ob und wie man die Beziehung weiterführt, sie beendet oder eine neue anfängt. Deshalb ist es wichtig, die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Wann schlägt die Beziehungskrise zu?

Zuerst verliebt man sich, spürt die Leidenschaft, ist für eine Weile überglücklich und alles wird füreinander getan. Dann pendelt sich die Beziehung ein, das erhebende Gefühl der Verliebtheit legt sich und beide Partner fangen an, das Ganze nüchterner zu betrachten. Dann kommen sie nach und nach zum Vorschein: Beziehungsprobleme.

Es kriselt, weil sich Dinge bemerkbar machen, die hinter der rosaroten Brille nicht erkannt werden konnten. Was vorher neu und aufregend war, weicht nun einer Selbstverständlichkeit. Das bringt uns an den Punkt, an dem wir unsere Beziehung neu bewerten müssen. Viele Beziehungen scheitern in den ersten Jahren nach der Geburt des ersten oder zweiten Kindes, wenn alles zusammenkommt: schlaflose Nächte, emotionale Achterbahnfahrten, sexuelle Frustration aufgrund mangelnder Zweisamkeit und finanzieller Stress. Kurzum: Sorgen, die eine Beziehung in ihren Grundfesten erschüttern können, im Mindesten aber eine gewaltige Herausforderung für jedes Paar darstellen. Ein weiteres typisches Szenario für Beziehungskrise findet lange nach der Geburt der Kinder statt. Wenn diese nicht mehr die volle Aufmerksamkeit der Eltern beanspruchen, haben letztere wieder mehr Zeit für sich. Das deckt einerseits die bis anhin gelebte Routine auf und stellt diese in Frage, und andererseits gelangen nun Bedürfnisse der Eltern zum Vorschein, die vielleicht lange unterdrückt wurden oder sich gerade erst durch die Lebensumstände bis hierhin entwickelt haben. Man hat sich auseinander entwickelt und sehnt sich zurück nach vergangenen Zeiten. Ist man an dieser Stelle angekommen, kann man aufeinander zugehen und sich über die Gefühle austauschen - oder man tritt den Rückzug an, weil man nicht mehr wirklich daran glaubt, dass es noch einmal besser werden könnte. Und wenn das eine zum anderen führt, sind auch Seitensprünge nicht mehr weit.

Merkmale einer Beziehungskrise

Krisen zeichnen sich meist durch nicht vorhandene oder schlechte Kommunikation aus, wobei es zum Teil geschlechtsspezifische Unterschiede geben kann.

Von schlecht zu schlimmer

  • Männer schweigen und blockieren die Kommunikation wenn sie unzufrieden sind, Frauen nörgeln hingegen, ohne das eigentliche Thema anzusprechen
  • respektloses Verhalten vor Bekannten und Freunden, welche den Partner oder die Partnerin herabsetzen und abwerten
  • Gelegenheiten zum Zusammensein werden nicht genutzt - stattdessen geht man sich aus dem Weg und ist froh, nichts miteinander unternehmen zu müssen
  • es gibt keine gemeinsame Lebensplanung. Man schaut in verschiedene Richtungen oder sieht sich an und macht sich gegenseitig Vorwürfe, statt in die gleiche Richtung zu blicken
  • wichtige Entscheidungen werden im Alleingang getroffen, der Partner vor vollendete Tatsachen gestellt
  • es kracht andauernd - man streitet sich "um des Streitens Willen", nicht mit dem Ziel einer Einigung
  • man distanziert sich zunehmend auf physikalischer und mentaler Ebene Verschiedene Vorstellungen und der Fokus auf gegenseitigen Schuldzuweisungen lassen die Liebe zum Krieg werden.

Das gegenseitige Vertrauen leidet zunehmend unter der Krise. Während die Unzufriedenheit zunimmt, nimmt die Kommunikation mit dem Partner ab. Jean-Paul Sartres berühmtes Zitat «l'enfer, c'est les autres» (die Hölle, das sind die anderen), beschreibt hervorragend den Gemütszustand einer Person in der Beziehungskrise. Der Verlust der Liebe, die Wut, der Schmerz und die Frustration, die der Anblick des anderen auslöst, werden dem Partner zugeschrieben. Zu begreifen, dass beide Partner zu ähnlichen Anteilen an der Krise beteiligt sind, ist äusserst wichtig, um aus der Anschuldigungsspirale auszubrechen. Wenn einem die Partnerschaft noch wichtig ist, ist es entscheidend, auf den anderen zuzugehen und ihn oder sie zu bitten, in einen Dialog zu treten, der auf Respekt basiert. Dies kann nicht aus einer anklagenden Position heraus passieren. Als nächstes müssen die Partner feststellen, ob beide ein Interesse daran haben, die Beziehung zu retten. Wenn beide den Dialog akzeptieren, stehen zumindest die Chancen dafür gut. Jetzt gilt es, herauszufinden, wie weiter vorgegangen werden soll.

 

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Die Auszeit

Eine Trennung auf Zeit kann für Klarheit sorgen. Räumliche Distanz zwischen den Partnern eröffnet Perspektiven, die frischen Wind bringen können. Spätestens nach einigen Wochen wird man sich seiner Gefühle bewusst, wodurch man einen klareren Blick auf die Beziehung erhaschen kann. Von diesem Standpunkt aus bietet sich die Möglichkeit, die Beziehung wieder aufzunehmen, Probleme anzugehen und diese gemeinsam zu lösen. Oder aber einer oder beide Partner erkennen im Verlauf der Trennung, dass es besser so ist. In diesem Fall eröffnet sich die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen, sich die Fehler beider Seiten einzugestehen und die Beziehung zu beenden.

Die Probleme analysieren

Bei der Benennung von Problemen ist es wichtig, diese frei von Interpretation zu erwähnen. So kann der Partner Stellung beziehen, was oftmals Missverständnisse aufdeckt, die schon lange zwischen den beiden standen. Auch äusseren Faktoren sollten Sie im Gespräch Platz einräumen, egal, ob es sich um finanzielle Probleme, die Schwiegerfamilie oder den sich einmischenden Freundeskreis handelt. Wie steht es eigentlich um die Lebensplanung des Paares? Dass sich die Ansichten beider Partner in dieser Hinsicht kompatibel sind, ist von entscheidender Bedeutung. Wenn diese so weit auseinander gehen, dass nichts Halbes und nichts Ganzes zustande kommen kann, wird die Beziehung vermutlich scheitern. Sprechen Sie offen darüber - der gemeinsame Wunsch, glücklich zu sein, kann zu grossem Enthusiasmus führen und damit das Glück in die Gegenwart holen. Selbst wenn beide Partner den besten Willen zeigen, die Probleme zu lösen, können diese mit dieser schwierigen Aufgabe überlastet sein. Ein falsches - oder falsch verstandenes - Wort kann den Konflikt wieder aufflammen lassen, aus dem Dialog wieder Konfrontation werden lassen. Um solche Situationen zu verhindern, kann eine Paartherapie oder eine Eheberatung rettend sein: Eine neutrale Stimme von aussen ist in der Lage, solchen Situationen ihr explosives Potential zu nehmen oder diese gar nicht entstehen zu lassen. Zudem hilft es, wenn die Situation aus einer anderen Perspektive interpretiert wird.

Gemeinsame Aktivitäten

Sobald die Partner wieder an einem Tisch oder zusammen auf dem Sofa sitzen können, ist es Zeit, die Verbindung mit gemeinsamen Tätigkeiten und Erlebnissen wieder zu stärken. So ist schon das schauen einer TV-Serie miteinander in der Lage, die Zufriedenheit in einer Beziehung zu fördern: Emotionen gemeinsam zu empfinden, ein neutrales Gesprächsthema zu haben und etwas, worauf man sich miteinander freut, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und erotische Serien haben sogar das Potential, das Sexleben wieder zu befeuern (wobei: Vorsicht! Diese bergen auch Frustpotential). Doch auch Hobbies (von joggen bis zusammen puzzlen) und gemeinsam im Restaurant Essen stärken die Bindung von Paaren untereinander. Dabei wird es auch zu intensiven Gesprächen kommen, die aber immer unter dem Zeichen von gegenseitigem Respekt stehen müssen, um die Fortschritte nicht zu gefährden.

Respekt

In Beziehungskrisen geht oftmals der Respekt vor dem oder der Anderen verloren, mitunter steht Respektlosigkeit gar am Anfang der Krise. So intim und nahe sich Partner in einer Partnerschaft auch sind, gewisse Formen müssen gewahrt werden. Respekt und Anstand sind im Alltagsleben selbstverständlich, doch grosse Nähe in der Beziehung kann diese verschwinden lassen. Wer dem Lebenspartner nicht den gleichen Respekt wie einem Arbeitskollegen entgegenbringt, befindet sich auf dem Weg in eine Beziehungshölle. Bedanken Sie sich für Hilfe und Nettigkeiten, bitten Sie um Hilfe, wenn Sie diese brauchen, zeigen Sie Freude über partnerschaftliches Handeln. Tönt steif und distanziert? Ist es nicht - es geht vor allem darum, die Würde des anderen zu achten. Den jeder Akt des Respekts zeigt sich selbst und dem anderen, dass die Beziehung und der Partner geschätzt werden, es diese kleine Anstrengung wert sind!

Negative Verhaltensmuster durchbrechen

Der Pop-Star Pink erzählte in einem Interview davon, dass sie und ihr Partner seit Jahren in Paartherapie seien. Der Grund sei das Aufwachsen in dysfunktionalen Familien und nie gelernt zu haben, wie ein partnerschaftliches Leben funktioniert. Zu realisieren, dass unser Verhalten vielfach von unseren kindlichen Erfahrungen gesteuert wird, kann schmerzhaft sein. Wer als Kind nur erlebte, dass Beziehungskonflikte mit Wutausbrüchen oder gar Gewalt begegnet wurde, wird diese Muster womöglich wiederholen. Hier kann die Reflektion mit sich selbst sehr schmerzhaft sein. Doch es besteht die Wahl darin, entweder das Problem anzugehen oder es immer wieder zu durchleben. In einer gescheiterten Beziehung nach der anderen. Eine Paartherapie kann hier den Partnern helfen, ihre zerstörerischen Muster zu erkennen und aus ihnen auszubrechen.

Routine überwinden

Schliesslich gibt es noch jene Beziehungskrisen die nach Jahren der Beziehung mit Kindern entstehen, weil die Partner fast wie WG-Partner nebeneinander her leben. Die ganzen Bereiche der Partnerschaft, die womöglich über die Jahre eingeschlafen sind (Sexualität, gemeinsame Aktivitäten zu zweit, Bestätigung durch den Partner, emotionale Bindung), drohen ausserhalb gesucht zu werden, während die eigentliche Beziehung immer weiterverkümmert. Seitensprünge und Vertrauensbrüche sind Symptome, aber keine Lösung, zementieren womöglich sogar die Krise, da sie wie eine Krücke die wackelige Beziehung stützen und sie gleichzeitig aushöhlen. Deshalb ist es wichtig, dass die entfremdeten Partner zusammen finden und endlich wieder ein ungestörtes Gespräch führen. Damit dies nicht vage Absicht bleibt, setzten Sie dafür einen Termin und einen Ort und geben sich genug Zeit dafür. Die Kinder bleiben dabei aussen vor: Ein Babysitter kostet weniger als eine Trennung. Gehen Sie wieder zusammen aus, geniessen sie gemeinsame Zeit ausserhalb der ewigen Routine. Wenn die Kinder alt genug sind und sie diese sicher (zum Beispiel bei ihren Eltern) unterbringen können, nutzen Sie dies für ein Wochenende oder gar eine kinderlose Ferienwoche aus. Und schreiben Sie dem Partner einen Brief. Bringen Sie zu Papier, was sie alles an ihm oder ihr schätzen und wonach sie sich sehnen. Sie werden sich wundern, was Ihnen alles einfällt. Und ja, keine Mail. Einen Brief. Auf Papier. Von Hand! Organisieren Sie ihren Haushalt vielleicht neu, legen Sie Dinge fest, die sie neu gemeinsam erledigen oder die sie abtauschen wollen. Entwickeln Sie ihre Beziehung weiter - nutzen Sie die Krise aus.

Die Krise als Chance

Eine Beziehungskrise ist fast immer auch eine Chance. Selbst wenn man die nicht mehr die Beziehung retten kann und sie beendet wird, besteht die Chance, dass die Partner ein besseres, neues Leben beginnen können statt sich in endlosem Hass zu zerfleischen. Ansonsten ist die Krise die Chance, eine Beziehung zu reparieren, danache zu verbessern und voran zu bringen. Sie ist die Chance, selbst als Person zu wachsen, schlechte Gewohnheiten und Verhaltensmuster hinter sich zu lassen, den Partner neu lieben und schätzen zu lernen. Sie ist die Chance wieder emotionale und sexuelle Befriedigung miteinander zu finden. Sie ist auch die Chance, das Leben ausserhalb der Beziehung vorwärts zu bringen. Manche schaffen dies zu zweit, andere werden die Hilfe eines Therapeuten brauchen. Doch Leben ist Veränderung und viele Veränderungen werden erst durch eine Krise möglich.

Text: Patrik Etschmayer

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